Nikita stupste mich aus dem Nichts heraus an. Ich war ganz vertieft in meiner Arbeit und brauchte zwei Atemzüge, bevor ich realisierte, dass Nikita will, dass ich ihr folge. Ich nahm mein Headset vom Kopf - auf dem gerade Trance lief, weil ich damit gut alles um mich herum ausblenden kann - und höre auch sofort Kindergeschrei. Nicht von einem Kind, sondern gleich von zweien.
Ich bin nämlich Zwillings-Daddy und arbeite von daheim. Das heisst, dass ich ständig auf Pikett bin, wenn gerade mal zuviel Zwillings-Trouble ist für zwei Hände. Nikita ist unsere Hündin und holt mich, wenn es aus ihrer Sicht kritisch wird.
“Nikita hat dich geholt, richtig? Sie nervt.”, sagt Dominique, als ich im Wohnzimmer angetrottet komme. “Bist du nicht mehr im grünen Bereich?”, frage ich zurück, um zu prüfen, wo sie gerade steht. Zum Glück ist alles nur halb so schlimm und wir haben uns schon an die Kiddies und ihr lauthalsiges Schreien nach Bedürfnis-Stillen gewöhnt.
Aber es ist schon anstrengend mit Kaleo und Aurora, unseren Zwillinge, die gerade 5 Monate alt wurden. Sie wollen schon viel, können aber noch wenig. Kaleo möchte Krabbeln und Aurora dreht sich auf den Bauch, um dort dann eigentlich nicht so bequem zu sein. Sie verkündet das mit einem murggsigen “E.. E.. E”. Bei Kaleo hat das Zahnen angefangen, weswegen er eigentlich kaum noch auf dem Rücken liegen will. Das heisst, entweder ist er am Probieren vorwärts zu kommen im Vierfüssler, oder wir tragen ihn rum.
Ich nahm Dominique also Kaleo ab und trug ihn etwas herum. So konnte Dominique ihre Brust einpacken und Aurora hochheben, die bis vor der Eruption noch am stillen war. So schnell ist der Frieden manchmal vorbei. Wir liefen beide in der Wohnung rum und wussten auch, dass das nächste Nickerchen bald naht. Wir wussten das ziemlich genau dank Napper (unserer Schlaf-Tracking-App).
Nikita nervte, meinte Dominique ja vorher. Das war mein Zeichen dafür, dass ich die Einschlafbegleitung fürs nächste Nickerchen mitmachen sollte. Ich unterstütze dabei nicht Dominique, sondern nehme meine Verantwortung als Daddy war. Das ist natürlich nicht immer möglich, aber an dem Tag, an dem die Geschichte spielt, war es möglich, weil ich keine Sitzung geplant hatte. “T-20min”, sagte Dominique. Und ich darauf: “Also, Tragi und Spaziergang”.
Wir wussten, dass unsere Kinder immer einschlafen, wenn wir sie in der Tragi rumtragen. Und das klappte sogar noch besser, wenn wir Treppen stiegen, oder wenn wir draussen an der frischen Luft waren. Nur ist es leider ein weiter Weg von “Kinder im Body” bis zu “Kinder in der Tragi”. Es war ja auch Winter und um die null Grad.
Das lief dann jeweils so:
- Kinder anziehen und gleichzeitig bespassen
- Tragi umschnallen und jeder packt ein Kind ein
- Kind beginnt in der Regel an zu schreiben
- In den Finken und Trainerhosen runter zum Schuhe anziehen mit dem Schuhlöffel
- Trage-Cover ums Kind
- Kappe aufs Kind
- Meine Jacke, meinen Schal und meine Mütze an und auf
- Nikita an die Leine und los